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Es gibt wohl kaum ein dankbareres Kapitel als die Methodik. Mit ihr lassen sich gleich zu Beginn des Schreibprozesses einige Seiten füllen und Ordnung schaffen – im Kopf und auf dem Papier.

Warum ein sauberer Methodenteil so wichtig ist

Natürlich ist die Methodik auch einer der am langweiligsten zu schreibenden Teile der Dissertation, denn hier muss man vor allem eins sein: überaus präzise. Dafür strengt man aber seinen Kopf auch nicht so gewaltig an, denn eigentlich handelt es sich bei diesem Kapitel „nur“ um eine Beschreibung, Auflistung und Darstellung der Dinge, die man unternommen hat, um die vorher aufgestellten Fragestellungen zu beantworten. Ideal ist der Methodenteil also für Doktoranden, die sich noch nicht so richtig an ihren Text herantrauen, aber trotzdem irgendwie anfangen wollen, denn hier kann und soll man eines unbedingt tun: einfach runterschreiben.

Und: die Methodik ist trotz ihrer Drögheit unglaublich wichtig! Insbesondere vor dem Hintergrund der viel diskutierten Guten Wissenschaftlichen Praxis (GWP) ist es unabdingbar, sauber und nachvollziehbar darzustellen, wie man seine Daten erhoben hat. Damit erfüllt man nicht nur die Ansprüche an die Dokumentation, die es anderen Forschern ermöglicht, Resultate nachzuvollziehen und zu reproduzieren, sondern man folgt auch den allgemeinen Prinzipien wissenschaftlicher Arbeit, was neben anderen Aspekten auch bedeutet, „lege artis zu arbeiten“ (DFG, 2013, S. 15), also entsprechend den Gepflogenheiten und Normen des eigenen wissenschaftlichen Fachbereichs. Du zeigst also nicht nur, dass Du „ordentlich“ und den Regeln entsprechend gearbeitet hast und welche standardisierten Wege Du gegangen bist, um Deine Daten zu erheben, sondern Du kannst hier auch sauber und vor allem nachvollziehbar dokumentieren, wenn Du abweichende oder neue Wege gegangen bist. Das ist besonders für neue wissenschaftliche Ansätze relevant – denn wenn Du eine neue Methode vorstellst, ist der Methodenteil quasi Dein zentrales Kapitel. Klar, oder?

Zwei Stufen

Was muss rein in den Methodenteil? Das ist für alle Fachrichtungen gleich, egal ob Du eine experimentelle Arbeit in der organischen Chemie schreibst oder eine Literaturarbeit in Neuerer Geschichte. Halte Dich an den Zwei Stufen-Weg und beantworte für jeden Schritt die folgenden zwei Fragen:

  • WAS wurde gemacht?
  • WIE/WOMIT wurde es gemacht?

Dabei solltest Du darauf achten, dass diese Punkte sauber, Experiment für Experiment getrennt dargestellt sind, außer natürlich in Mischfällen. Dabei helfen Dir Unterkapitel; ganz einfach kannst Du Deine Methoden nach folgendem Muster sortieren:

  • Experiment 1: Was (Durchführung) und Wie (Mittel)?
  • Experiment 2: Was und Wie?
  • Experiment 3: Was und Wie?

Statt „Experiment“ kannst Du natürlich auch „Themenfeld 1, 2, 3“ oder „Forschungsfrage 1, 2, 3“ nutzen, um Deine Methoden aufzulisten, für den Fall, dass Du keine Experimente durchgeführt hast.

Ungünstiger zu lesen wäre folgende Darstellung, die jedoch auch manchmal gewählt wird:

  • Experiment 1, 2 und 3: Was?
  • Experiment 1, 2 und 3: Wie?

In der Methodik findet keine Interpretation oder Wertung Deiner Vorgehensweise statt! Du listest schlichtweg alles genau auf.

Weitere Hinweise zur Darstellung der Methodik in experimentellen Arbeiten, zur Darstellung des Statistikteils und zu Methodenteilen in (nicht-experimentellen) Dissertationen aus den geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereichen findest Du hier:

Der Anhang schluckt viel Methodenpapier

In vielen Methodenteilen wird klar, wofür der Anhang gut ist: Hier kann man wunderbar Testblätter, Fragebögen und auch lange, detaillierte Listen von Testverfahren oder Medikamentenbestandteilen ablegen, die nicht ursächlich zum Verstehen des Textes und für die inhaltliche Qualität der Dissertation wichtig sind, die aber zum weiteren Verständnis und für das Nachschlagen durchaus ihre Berechtigung haben. Dazu zählen auch zusätzliche Abbildungen von Apparaturen, die das Vorgehen noch genauer erläutern oder weitere zahlreiche Darstellungen von im Methodenteil bereits ausgewählt dargestellten Messdiagrammen oder ähnlichen Graphiken. Wichtig ist, im Methodenteil immer auf den entsprechenden Anhang zu verweisen. Im laufenden Schreibprozess kannst Du das erledigen, indem Du Dinge, die in den Anhang sollen, erst einmal textlich „vormarkierst“ und die Stelle im Text, an dem auf den Anhang verwiesen werden soll, bunt einfärbst. Den Anhang erstellst Du dann ganz am Schluss.

Weitere Abbildungen zum genaueren Verständnis des Rufs der Nachtigall in den frühen Morgenstunden  finden sich im Anhang (Axx.xx).

Aufgeführte Quellen

DFG (2013): Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis. Ergänzte Auflage. WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim.

Sachs L, Hedderich J (2009): Angewandte Statistik. 13. Auflage; Springer Verlag, Berlin.

Ziegler A, Lange S, Bender R (2004): Überlebenszeitanalyse: Der LogRang-Test. Dtsch Med Wochenschr. 129:T4-T6.

Dieser Beitrag ist Teil der Mini-Serie Was gehört eigentlich in die Diss?

Regina Moritz

Dr. Regina E. Moritz promovierte 2007 an der Universität Duisburg-Essen über ein sinnesphysiologisches Thema und unternahm daraufhin einen kurzen Ausflug ins Science Management. Seit viereinhalb Jahren arbeitet sie freiberuflich und leidenschaftlich als Wissenschaftslektorin. Sie lebt mit Mann, Töchtern, Garten, Aquarium und sehr vielen Büchern im Ruhrgebiet.

www.die-schreibfee.de

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